Showing posts with label Sprache. Show all posts
Showing posts with label Sprache. Show all posts

Wednesday, 29 October 2014

Zeit

Der Schottlandbesucher ist schnell versucht anzunehmen, dass die Schotten auf dem Land alle Zeit der Welt haben. Oft sieht man sie irgendwo geduldig anstehen, oder miteinander auf der Straße plaudern. Da scheint es dann auch nichts auszumachen, dass die Plauschenden hin und wieder schon mal alle anderen aufhalten.

Als vor einigen Jahren der Aldi in Elgin aufmachte, wunderte ich mich, wie das deutsche Konzept der super schnellen Kundenabfertigung hier in Schottland ankommen würde. Tatsächlich scheint es hier nicht viel anders zuzugehen als in Deutschland. Wenn der Kunde die Waren nicht schnell genug aufs Band legt, kommt der Kassierer und "hilft", und während man noch mit den Waren jongliert, die der Kassierer in Windeseile über den Scanner zieht, wird man gefragt, ob man mit Karte oder bar bezahlen will. 
Mit ein wenig Sorge beobachtete ich die alte Dame vor mir in der Schlange, der ohne jeden Zweifel ein Kulturschock bevorstand. Ich hätte mich nicht mehr irren können. Als die Dame an der Reihe war, wurde sie von der Kassiererin freundlich begrüßt. Die Kassiererin kam hinter der Kasse hervor und begann, die Waren aufs Band zu legen, während sie freundlich mit der älteren Dame plauderte. Sie scannte dann die Waren und eine weitere Aldi Mitarbeiterin packte sie für die ältere Dame in deren Tasche. Mittlerweile wuchs die Schlange der Wartenden immer weiter an. Schließlich gab die alte Dame der Kassiererin ihr Portemonnaie und während diese den zu zahlenden Betrag heraussuchte, dreht sich die Dame zu den wartenden Kunden um und erklärte, sie sei jetzt fast neunzig und sie würde immer in den Aldi einkaufen kommen, viel lieber als zu Tesco, weil im Aldi die Verkäuferinnen immer so nett seien und soviel Zeit hätten.

Ein alter Witz beschreibt das schottische Verhältnis zu Zeit so:

Ein Professor für Spanisch und ein Professor für Gälisch treffen sich auf einer Konferenz und diskutieren die Vorzüge ihrer jeweiligen Sprachen. "Sagen Sie mir" fragt der spanische Professor, "haben Sie ein gälisches Äquivalent für den spanischen Ausdruck mañana, mañana?" Der Professor für Gälisch denkt eine Weile nach und antwortet dann: "Nein, Ich glaube nicht, dass wir im Gälischen ein Wort haben, dass ein Konzept von solcher Hast ausdrückt."

Dabei sind die Schotten keineswegs so unzuverlässig, wie der erste Eindruck vermitteln könnte. Das Schlüsselwort hier ist "eventually" (zuletzt, zum Schluß). Wenn ein Schotte hier einem verspricht, dass zum Schluß alles in Ordnung kommt, dann ist vielleicht nicht klar, wann genau das passieren wird, aber man sich darauf verlassen, dass es passieren wird.

Aber auch Schotten müssen pünktlich zur Arbeit oder in der Schule erscheinen und auch im Theater oder Kino wartet man nicht, bis alle, die eine Eintrittskarte haben, erschienen sind. Die Strategie hier ist, das Schotten das Unerwartete ganz einfach mit einplanen und die Verabredungen, die sie unbedingt einhalten müssen, auf ein Minimum beschränken. Auf diese Weise haben sie genug Zeit auf das Unerwartete zu reagieren.

Auf eine Frage wie, "Kommst du auch zu dem Ceilidh am Samstag?" bekommt man dann eine Antwort wie, "Ich würde gerne, aber mein Sohn hat ein Spiel mit dem Rugby Club und ich weiß noch nicht wann die wieder zurück sind." 

So oder so ähnlich verlaufen viele Gespräche. Das macht es außerordentlich schwierig für die Leute, die diese Veranstaltungen planen, weil es sich jeder im Prinzip bis zum letzten Moment offen hält, ob er kommt oder nicht. In vielen Fällen steht bis zu allerletzt nicht fest, wer hilft und wie viele Besucher kommen.

Ich war schon auf Veranstaltungen, da gab es mehr Helfer als Besucher. Aber meistens geht alles gut. Weil diejenigen, die Hilfe brauchen, oft vorher anderen in ähnlichen Situationen geholfen haben, finden sich immer im letzten Moment einige, die einspringen. Und das trägt wesentlich zur Atmosphäre dieser Veranstaltungen bei. Weil alle das wissen, erwartet keiner, dass es perfekt ist und alle tragen zum Gelingen bei.

Deswegen lohnt es sich, mal bei einem Coffee Morning, Soup and Sweets oder Ceilidh vorbeizuschauen und einfach die Atmosphäre zu genießen.


Friday, 7 February 2014

Doric - die Sprache des Nordosten

Der unvorbereitete Reisende wird vermutlich einige Schwierigkeiten haben, die Leute im Nordosten zu verstehen, wenn sie nicht gerade Englisch sprechen. 

Die meisten Reiseführer erklären zwar, dass in Schottland neben Englisch und Scots auch Gaelic gesprochen wird. Dabei vergessen sie aber meistens Doric zu erwähnen, welches die Sprache ist, die in Aberdeenshire und teilweise Moray gesprochen wird. 

Es wird vermutet, dass der Ursprung von Doric in einer Pidgin-Sprache begründet liegt, die durch den Regen Handel mit Skandinavien und den Hanse Ländern entstand und bis zum ersten Weltkrieg dauerte. 

Der alte Postmeister in Portsoy, der jetzt schon lange in Rente ist, hat mir mal erzählt, dass er als junger Mann in der britischen Arme und im Norden Deutschlands stationiert war. Er sprach kein Deutsch und die Einheimischen sprachen kein Englisch. Verständigen taten sie sich aber doch, die Deutschen sprachen Plattdeutsch und er sprach Doric. Das wohl auffälligste Beispiel für die Verwandtschaft der beiden Sprachen wäre "A ken" was anstelle von "I know" (ich weiß) benutzt wird.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Doric in dem Pixar Movie "Brave" verewigt. Young MacGuffin spricht am Ende dieses youtube Clips in Doric. Der Schauspieler Kevin McKidd, der in Amerika lebt, stammt ursprünglich aus Fraserburgh.

Für wirklich sehr interessierte Leute gibt es Literatur in Doric und man kann auch English - Doric Wörterbücher käuflich erstehen. Hier ist eine Liste von Wörtern und Redewendungen, erstellt von der schottischen Tageszeitung The Scotsman:



• Bosie - Umarmung oder Knuddeln
• Cappie - Eiskremhörnchen
• Clype - petzen
• Dreich -bewölked, grau, regnerisches Wetter
• Fan div ye yoke? - Wann fängst Du mit der Arbeit an?
• Fan ye aff? - Wann gehst Du?
• Fit like? - Wie geht es?
• Foo mony? - Wieviele?
• Foo’s yer doos? - Wie geht es?
• Fooge - schwänzen
• Hellach - Laut oder dumm
• Loun -Junge
• Pucklie - kleine Menge
• Quine -Mädchen
• Sook -Schleimer
• Stappit - voll gegessen
• Scurry - Seemöve

Die Universität von Aberdeen hält auch noch einige Schätze in Doric bereit:

 http://www.abdn.ac.uk/elphinstone/kist/