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Thursday, 31 March 2016

Stuart MacBride's "In Blut verbunden"


führt den Leser diesmal an die Nordostküste 

Schottlands, direkt ans Meer. 






 
Wer Logan MacRae von früheren Krimis her kennt, weiß, dass dieser sich gelegentlich schwer tut mit Vorschriften und direkten Anordnungen von Vorgesetzten. Zwar lösen seine unorthodoxen Methoden seine und anderer Abteilungen Fälle, aber nicht jeder ist glücklich darüber. Als eine Konsequenz sieht sich McRae in das Hinterland von Aberdeen versetzt, "um dort sein volles Potential zu entwickeln", wie die Begründung seines Vorgesetzten lautet, obwohl dort außer Kleinkriminalität wirklich nicht viel los ist.



McRae kommt dieser Aufforderung denn auch nach, wenn auch anders, als sich das seine Vorgesetzten so vorgestellt hatten. Mit seinem untrüglichen Spürsinn für Ungereimtheiten und unbeugsamen Charakter geht er Hinweisen nach, die von Kollegen entweder nicht ernst genommen wurden oder zu Fällen von anderen Abteilungen gehören.

Mit schwarzem Humor und Sinn fürs Detail hat Stuart MacBride sich die allergrößte Mühe gegeben, authentisch zu schreiben. Er verbrachte mehrere Wochen mit der Polizei in Peterhead und begleitete sie auf deren Streifen. Vieles, was die Polizeiarbeit tatsächlich prägt, findet sich in diesem Krimi wieder; nicht zuletzt die Umstrukturierung der Polizei von Grampian Police zu Police Scotland, wobei lokale Polizeiorganisationen zentriert zu einer großen Organisation zusammengelegt wurden.


Aber auch die Beschreibung der Gegend, Orte und Gebäude usw. ist gut recherchiert und die Plätze der Handlung lassen sich leicht finden. Z.B. der Hafen von Banff mit Macduff im Hintergrund auf der anderen Seite der Bucht.


Banff, Macduff und Porsoy liegen relativ dicht beieinander. Die Polizeistation in Banff liegt gleich um die Ecke vom Hafen.



Seafield Street in Portsoy ist die Hauptstrasse die durch das Dorf führt und der Co-op befindet sich so ziemlich in der Mitte.



Das Tarlair ist wohl der spektakulärste Ort, ein Schwimmbad welches in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Steilküste am Rande Macduffs unterhalb des Golfplatzes gebaut wurde.

Bevor moderne Medien und geheizte Schwimmbäder die Freizeitkultur auch in Schottland bestimmten, war das Tarlair ein beliebtes Ausflugsziel.



Ein Cafe und eine Pipe Band gehörten ebenso zur Unterhaltung. Bis in die fünfziger Jahre hinein wurde das Tarlair gut genutzt, danach hat es sein denkmalgeschützter Status vorm Verfall bewahrt. Und nun hat Suart MacBride das Tarlair zu einem Fundort einer fiktiven Leiche gemacht.



In jedem Fall lässt sich der Krimi auch gut als ein Reiseführer der ganz eigenen Art verwenden, als eine Art Einführung in die dunkleren Seiten des Nordostens und das auf unterhaltsame Weise.

Stuart MacBride schreibt und lebt im Nordosten Schottlands. Mit ein wenig Glück kann man ihn in einem Buchladen beim Signieren von Büchern antreffen. Mehr Informationen dazu gibt es auf seiner Webseite: http://www.stuartmacbride.com/

Thursday, 3 December 2015

Golf...

... ist in Schottland ein Volkssport. Golfer finden in einem schottischen Pub ebenso schnell Anschluss wie 

Fußballbegeisterte oder Angler. 
Verwundern tut es nicht, wurde Golf doch vor etwa 500 Jahren in Schottland erfunden und immer weiter entwickelt.
Aberdeenshire und Umgebung ist eine wahre Enklave für Golfer, und bietet einige der besten und ältesten Golfplätze in Schottland, viele davon sind eingebettet in bezaubernde Parklandschaften oder liegen oberhalb der Kliffe  an der atemberaubenden Steilküste.

Die im folgenden aufgezählten Golfplätze sind nur eine kleine Auswahl der insgesamt 26 Plätze in Aberdeenshire und Umgebung:

Inverurie

Ein etablierter Golfplatz, der dem Golfer angenehme und interessante Herausforderungen bietet. Zu Beginn sorgen Golflöcher in der Parklandschaft, die genaues Eisenspiel voraussetzten, für einen offenen und abwechslungsreichen Start und der Platz schließt mit einem pittoresken, von Bäumen gesäumten Abschnitt, welcher  Ausprobieren verlangt.

Spey Bay

Dies ist ein alter, traditioneller Dünengolfplatz, auf dem gerades Spiel oberstes Gebot ist. Ginster, Heide und Stechginster rahmen die schmalen Fairways. Ein schwieriger, herausfordernder, aber ebenso vergnüglicher Golfplatz entlang des Moray Firth.


Moray

Dieser alte Golfplatz gehört zu den feinsten Dünenplätzen Schottlands. Ein klassischer Platz designet von Old Tom Morris mit tief ausgelegten Sandhindernissen, mit von wogendem Stechginster gerahmten Fairways und glattem, schnellen Rasen.

Duff House Royal

Ein vorzüglicher, flacher Parklandschaftsplatz, der immer in einem einwandfreien Zustand ist. Dies ist ein schwieriger aber fairer Golfplatz, der vom Fluss Deveron gerahmt wird, welcher an mehreren Löchern eine Rolle spielt.

Cullen

Ein traditioneller Meeresgolfplatz, der viele blinde Schläge enthält. Cullen bietet eine fantastische Aussicht auf die Küstenlinie, auf die Cullen Bucht und weit darüber hinaus.Obwohl er relativ kurz ist, gibt es meherer Par 3, die Präzision und eine gehörige Portion Spielplanung benötigen.

Strathlene

Eine hervorragend gepflegte Dünengolfanalage mit einem der spannendsten Rundenanfängen in ganz Morayshire. Die Anlage, welche eine wundervolle Aussicht auf den Moray Firth bietet, macht geschickt Gebrauch von der sanft hügeligen Landschaft, den Senken und erhöhten Grasplätzen. Ein guter Test für Golfer jeden Könnens.

Garmouth & Kingston

Ein ausgesprochen angenehmer Dünengolfplatz. Seine herausragenden Eigenschaften sind die durchgängig kleinen Grasplätze und die Vielzahl an Herausforderungen, die der Spieler meistern muss. Schwierige Löcher und Präzision ist charakteristisch für einige der engen Annäherungsschlägen zu den abgeschirmten Grasplätzen.

Buckpool

Dieser Golfplatz im Dünenstil ist mit Sicherheit einer der am besten gehüteten Geheimnisse von Schottland. Leicht erhöht über dem Meer liegend bietet er einen der allerbesten Aussichten über den Moray Firth hinweg und auf die Hügel von Caithness. Dies ist ein hervorragender Test  für Dünengolfplätze.

Fraserburgh

Der Fraserburgh Golf Club wurde 1777 gegründet, was ihn zum siebtältesten Golfclub in der Welt macht. Das ist ein erster Klasse, herausragender, traditioneller Dünengolfplatz, herausfordernd, aber nicht zu schwierig und deswegen sehr angenehm.

Turriff

Ein bestens bekannter Parklandschaftsgolfplatz mit wundervoller Aussicht. Dieser im Inland gelegene Platz mit seinen, von alten Bäumen gesäumten, engen Fairways hat den zusätzlichen Reiz von Wasser, da wo der Bach Turra und der Fluss Deveron die Fairways säumen und kreuzen.

Royal Tarlair, Macduff

Ein Parklandschaftsgolfplatz oberhalb der Steilklippen gelegen mit einer Panorama Aussicht auf die Moray Küstenlinie. Es gibt hier einige spektakuläre Löcher, einschließlich des berühmte 13ten (Clivet), jeder Ball unter 140m, Par 3 geschlagen verschwindet für immer!

Huntly

Ein welliger Parklandschaftsplatz, mit einem Klubhaus der gehobenen Klasse, gelegen zwischen den Flüssen Deveron und Bogie und einem Bach, der über vier Löcher fließt. Ideal für Golfer, die ein entspanntes Spiel in einer sehr angenehmen Umgebung genießen wollen.



Sunday, 6 September 2015

Turriff

... wird von den Einheimischen Turra genannt und ist die Heimat des Bauern und seiner Kuh (schottisch: coo), der sich gegen ungerecht empfundene Abgaben widersetzte. Besser als ich kennt sich da aber Hanna Pennig aus, die dort heimische geworden ist, wie mir unmissverstänlich von einer älteren Dame aus Turriff erklärt worden war, die jeden möglichen Zweifel von vorne herein ausschließen wollte. Hanna hat sch freundlicherweise bereit erklärt, etwas über Turriff zu schreiben:



Zwischen Aberdeen und Banff im Nordosten Schottlands findet man das kleine Städtchen Turriff. Mancheinem mag es unscheinbar erscheinen, dennoch ist es voller Leben. Zwischen den hübschen roten Sandsteinhäusern herrscht wochentags emsiges Treiben um die Turra Coo herum. 


Das kleine Museum lädt auf eine Exkursion in die Vergangenheit ein. Jeden dritten Samstag im Monat gastiert der Farmers Market in Turriff. Am ersten Montag im Mai, findet das jährliche Mayday Festival statt. Die Straßen sind voll mit bunten Buden und natürlich marschiert die Pipeband (Dudelsackgruppe) auf. 
 

Der Höhepunkt jedoch ist die Turriff Show Anfang August. Unten in den Haughs treffen sich Bauern und Geschäftsleute, Händler und Würstchenverkäufer. Zum 150. Jubiläum kam sogar die Queen vorbei. Als eine der besten Landwirtschaftsmessen in Großbritannien kann sich die Turriff Show sehen lassen. Nicht nur Hochleistungskühe und Monstertraktoren werden hier zur Schau gestellt, es gibt Spaß für die ganze Familie. Trabrennen, Pommes mit Ketchup, Losbuden oder gar ein Ritterturnier. An beiden Tagen kommen Besucher voll auf ihre Kosten.

Auch die Umgebung von Turriff kann sich sehen lassen. Ländliche Idylle wird zum Beispiel im Delgatie Castle (ca. 3km östlich) untermalt mit selbstgebackenen preisgekrönten Kuchen. Ein absoluter Muss-Genuss! Kinder können sich im Coffee & Kids (ca. 8km westlich)   austoben, während sich die Eltern bei einer herrlichen Tasse Kaffee ausruhen. 
 
Wer keine Kinder hat, kann der generalüberholten Glendronach-Distillerie einen Besuch abstatten oder einen Runde Golf spielen gehen.

Sunday, 2 August 2015

Huntly Farmers' Market

Farmers' Markets gibt es öfter in Aberdeenshire.
Sie wurden eingeführt, um örtlichen Landwirten und Produzenten von Nahrungsmitteln und anderen Produkten eine Möglichkeit zu geben, deren Produkte direkt zu vertreiben, ohne auf Supermärkte oder Geschäfte angewiesen zu sein.

Ähnlich wie in Deutschland, verdrängen hier zumeist industrielle Nahrungsmittelproduzenten und große Supermarktketten, einschließlich Lidl und Aldi, die kleineren traditionellen Geschäfte und Produzenten.

Der Markt in Huntly hat sehr strenge Regeln und ist deswegen zwar klein aber fein. Alle angebotenen Produkte müssen selbst hergestellt sein und es gibt von einer Produktart nur einen Stand. Der Grund dafür ist, dass zu viel Konkurenz es für Marktteilnehmer unwirtschaftlich macht, zu einem Markt zu kommen, was Märkten in anderen Teilen von Aberdeenshire, die nicht diese Regel hatten, sehr geschadet hat.

Obwohl es schwierig sein kann außerhalb von Farmers' Märkten örtlich hergestellte Produkte zu erwerben, sind diese von einer herausragenden Qualität und besser als die im Supermarkt. Oft werden dort auch Produkte angeboten, die es in den Supermärkten gar nicht gibt.

Die besten eingelgten Oliven weit und breit
Ein Beispiel hierfür sind die Fleischprodukte. Viele Farmer züchten hier seltene Haustierrassen, die sich für den Verkauf in großen Supermarktketten deswegen nicht anbieten, weil diese bei der Produktauswahl auf gleichbleibende Qualität in großen Mengen wert legen. Die seltenen Haustierrassen sind so selten das "große Mengen" ein Kriterium ist, dass sich nicht erfüllen lässt.



 Dasselbe gilt für die Wildproduzenten. Wildfleisch ist verfügbar je nach Jagdsaison und Jagderfolg. Infolge dessen variiert das Angebot an Wildfleisch von Monat zu Monat.

Amy und Yvonne in einem fast ausverkauftem Stand
Ein besonders Beeindruckender Stand ist der von Glenview Farm. Amy und Yvonne lieben Gemüse und so kamen sie dazu es für sich und andere anzubauen. Die Liebe und Arbeit, die sie in das Gärtnern hineinstecken, lässt sich an den Resultaten ersehen. Sie schaffen es, Gemüse wie Tomaten und Gurken zum Reifen zu bringen, wenn alle Hobby Gärtner der Gegend noch auf Blüten hoffen. Gerne geben Yvonne und Amy Auskunft, wie sie es schaffen, ihre Pflanzen zum wachsen zu bringen. Mit all ihren Tipps wachsen meine schon besser, aber es braucht wirklich die Leidenschaft und Begeisterung für Gemüse, die den Unterschied ausmacht. Es empfiehlt sich entweder das Gemüse für den Markttag im voraus zu bestellen oder sehr früh zum Markt zu kommen, weil die Damen sehr schnell ausverkaufen.

Der Informationsstand des Huntly und District Development Trust


Welche Stände zu welchem Markt kommen, lässt sich auf der Webseite des Farmers' Marktes erfahren. Der wohl größte Markttag ist der erste Samstag im September, wenn der Markt auch am längsten dauert (anstatt von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr geht dieser bis 16.00 Uhr), sich Huntly Hairst (Huntly Ernte) nennt und in eine Vielzahl von traditionel schottischen Veranstaltungen eingebettet ist, die Huntly zu einem Ausflugsziel für die ganze Familie machen. Mehr dazu gibt es auf der Webseite des Food und Farming Festivals.

Hier gibt es auch die Wanderführer für Huntly und Umgebung

Wer es nicht zu dem Markt schafft, hat zum Teil die Möglichkeit, von den Produzenten vor Ort zu kaufen. Mortlach Game bieten ihr Wildfleisch auch über die Webseite an, einfach kontaktieren und fragen, was im Angebot ist. 

Steve und Emma von Mortlach Game
Und CastleHill Farm, die die wundervollsten Ziegen- und Schafwürste und auch sonst jede Menge feinster Fleischprodukte von seltenen Haustierrassen haben, bieten Kunden die Möglichkeit, Fleisch auf ihrem Hof zu kaufen. In jedem Fall vorher anrufen oder emailen, um sicher zu stellen, dass jemand da ist.

Ian (Castlehill Farm) mit Tochter Dasie, die ihm oft hilfreich zur Seite steht
 Gelegentlich gibt es auch Musik.


Jeder Farmers' Market bietet einen Informationsstand an dem örtliche Gruppen die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren und einen Fundraising Stand in dem gemeinnützige Gruppen Lotterien abhalten und andere Angebote haben, um Geld für ihren Zweck zu Sammeln.

Jane setzt sich für gerechten Handel ein
Und fast immer hat Deveron Arts einen Stand.


 Deveron Arts ist ein großartige Kunstorganisation, deren Kunst über den ganzen Ort verteilt zu bewundern ist und die viele Aktionen veranstalten, die Spaß machen und zum Nachdenken anregen.

Die Vielfalt des Farmers' Market zieht eine bunte Schar von Besuchern an, ein monatliches schottisches Ritual fernab ausgetretener Touristenpfade.

Tuesday, 7 July 2015

Das höfliche Schottland

Schotten erscheinen oft sehr viel freundlicher im Vergleich zu anderen Zeitgenossen. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist schwieriger zu verstehen und hat was mit der britischen Mentalität zu tun. Briten sagen in den seltensten Fällen direkt, was sie denken. In der Regel verklausulieren sie, was sie zum Ausdruck bringen wollen, und das in einer Weise, die es für nicht Briten oft schwierig macht, zu verstehen, was wirklich gemeint ist. Eine Übersetzungstabelle für nicht britsche Englischsprachler verdeutlicht dies:



Wenn mein Boss mich morgens fragt, ob ich mich vielleicht um die Emails kümmern möchte, dann ist das nicht nur eine Frage, die ich nicht mit "nein" beantworten kann, sondern ich bin auch gut beraten, diese Aufgabe in der dafür vorgesehenen Zeit zu erledigen, neben den anderen anfallenden Tätigkeiten.

Anweisungen werden grundsätzlich in einer höflich, umschreibenden Form erteilt aber nie direkt. Ein "Ich möchte bitte die Formulare bis Mittag ausgefüllt auf meinem Tisch haben" wird nicht über die Lippen eines Schotten kommen.

Anstatt eines "neins" wird ein Schotte einem hundertausend Gründe geben, warum das von uns ersehnte jetzt gerade nicht so gut ist. Diese Gründe können dann schon mal albern sein, wenn es sich um ein persönliches Bedürfnis handelt und eine rationale Begründung nicht zur Verfügung steht. Wenn ich meinen Mann Sonntags fragte, ob er nicht noch ein wenig bei mir am Frühstückstisch verweilen könne, er aber in den Garten wollte, da hat er es schon fertig gebracht, an einem strahlend blauen Sommermorgen zu sagen, dass er das Grass schneiden muss, bevor der Regen kommt und die Sonne unter geht.

Der andere Grund, warum es für Schotten tatsächlich einfacher ist, zu Fremden freundlich zu sein, ist die dünne Besiedlung Schottlands. Wenn man in Köln auf der Schildergasse auf dem Weg zum Einkaufen jedem ein freundliches "Hallo" sagen sollte, dann käme man nicht mehr zum Einkaufen.

In Schottland auf dem Land ist das anders und nach kurzer Zeit kennt man, wenn nicht alle Namen, so doch jedes Gesicht, dass einem dort begegnet.

So sind es denn die Umstände, die dazu beitragen, aus Schotten so angenehme Zeitgenossen zu machen.


Ceilidhs - die Kunst des schottischen Tanzens


Ceilidhs machen einfach nur Spaß und eigentlich bräuchte man nicht mehr dazu zu sagen. Wer die Chance hatte, zu einem richtig schottischen Ceilidh zu gehen, weiß was gemeint ist.
  

Scottische Scouts z. B. organisierten solche Tanzvergnügungen auf der Haarlem Jamborette 2015 in Holland:



Für all anderen möchte ich Iain Banks zitieren, der in seinem Roman Stonemouth den Ceilidh so akkurat beschrieben hat, dass dem nichts anderes hinzu zu fügen ist, außer vielleicht wann und wo Ceilidhs statt finden. Aber zunächst der Auszug aus Iain Banks Stonemouth:



Die Ceilidh Band war dabei das Equipment aufzubauen: schlecht gelaunte Typen so etwa in meinem Alter in schwarzen Kilts, Dreadlocks und klobigen Schuhen.

Sie nannten sich Caul of the Wild und wahren vermutlich sauer, dass sie nicht als erste an Red Hot Chilli Pipers gedacht hatten. Später würde es eine Disco geben, aber davor würde die Art von Juhuu, schwing-deine-Großmutter-bei-ihrem-Zeh Zeug stattfinden, welches bei der Art von Tänzen vorausgesetzt wird, die sie in den Schulen in dieser Gegend lehren, mit so anregenden Titeln wie Eightsome Reel (Runde für acht Personen), Dashing White Sergeant (Fescher, weißer Unteroffizier) und Strip the Willow (Schäle die Weide).



Vollblut Scottish Country Dancing bietet ein akustisches und visuelles Spektakel, das nichts für schwache Nerven ist. Abgesehen von einigen sanften Tänzen, wie der St Bernhard's Waltz (St Bernhards Walzer) - die im wesentlichen für Opas und Omas sind, damit sie sich gegenseitig über die Tanzfläche schieben und dabei frühere, glorreiche Zeiten wieder aufwärmen können, während alle anderen an die Bar gehen - ist das alles ziemlich verrücktes Zeug, betrunkene Leute, die an eine Meute sich drängelnder Rugby Spieler erinnern, wirbeln durch den Raum in zunehmend fragmentierten Haufen und versuchen sich daran zu erinnern, was zum Teufel als nächstes dran ist.



Der Gay Gordons (fröhliche Gordons) ist im Grunde genommen choreographiertes Chaos und ein Eightsome Reel ist ein geistesgestörter Marathon der einen Dr Titel im Tanzen voraussetzt. Zweihundertundsechsundfünfzig Takteinheiten

von herum sausen, rückwärts gehen, drehen, hopsen, pas-de-aufbauen, hüpfschreiten, aufeinander-folgend-Partner-tauschen-bis-du-wieder-bei-dem-bist-mit-dem-du-angefangen-hast Musik ist normal, aber der echte Eightsome dauert vierhundertvierundsechzig Takteinheiten, und egal wie fit du am Anfang bist, es ist immer schrecklich gut, zum Ende zu kommen.



Der Anlass für den Ceilidh in Stonemouth war eine Hochzeit. In den allermeisten Fällen ist es jedoch eine Veranstaltung für einen guten Zweck. Das sind oft "bring your own" Ceilidhs, wo man sich seine eigenen Erfrischungen mitbringt (alkoholische und nicht alkoholische Geträmke, sowie Knabbersachen), obwohl bei einigen Ceilidhs nicht alkoholische Erfrischungen angeboten werden, die manchmal im Eintrittspreis enthalten sind und manchmal nicht. 

Es empfiehlt sich auch, einzelne Pfundstücke mit sich zu führen, für Raffle tickets (Lottery lose) und die gelegentliche Flasche Whisky, die es hin und wieder zu gewinnen gibt.


Dabei versucht jeder nach Belieben sein Pfund so nah wie möglich an die Flasche zu bringen und man hat so viele Versuche hat wie man Pfundstücke in der Tasche hat.



In Huntly tanzen die Leute auch schon mal auf der Straße






Während des Sommers veranstaltet die hiesige Touristenorganisation Ceilidhs

und im Herbst gibt es den Halloween Ceilidh in Huntly....


 ....wo tanzen mit einem Baum die Dinge noch ein wenig komplizierter machen kann


Thursday, 12 February 2015

Aurora Borealis und Schottland

Wenn man Glück hat, kann man in Schottland schon mal eine Aurora Borealis zu sehen bekommen. Am besten sieht man sie im Winter, wenn der Himmel richtig dunkel ist, im Sommer schon mal eher nicht, weil der Himmel da nie richtig dunkel ist. Dieses Bild zeigt Schottland vor einer Aurora Borealis, die gestern in Schottland nicht zu sehen war. Ist aber auch schön:


Monday, 19 January 2015

Huntly Webseite auf deutsch

Wie schon in diesem Blog beschrieben, ist Huntly ein bezaubernder Ort, in dem es sich fantastisch Urlaub machen lässt. 

Wer mehr über die örtlichen Gegebenheiten in Huntly erfahren möchte, kann jetzt mehr über den Ort auf Huntly.de nachlesen, komplett auf Gordon Dress Tartan präsentiert. 

Sunday, 18 January 2015

Rhynie

ist eine kleine Ortschaft mit rund 300 Bewohnern liegt 12 Meilen südlich von Huntly. Wenn Rhynie auch auf den ersten Blick nicht besonders spannend anmutet, ist hier viel zu entdecken! 





























Die Rhynie Chert ist ein Hornstein der in Rhynie vorkommt und zu den bedeutendsten fossil-führenden Gesteinen des unteren Devon zuzuordnen ist. In diesem Gestein wurde die fossile Pflanze Rhynia gefunden. Der Ort gab ihr ihren Namen.



Rhynie's Landschaft deutet auf eine reiche Geschichte. Es gibt hier viele Piktische Funde und Hillforts. Dazu zählen unter anderem Tap o' Noth, Weedlemount und der Ord. Auf den Tap führt ein gut zu erreichender Fußweg. Oben angekommen hat man einen wunderbaren Ausblick über die Region. An klaren Tagen kann man sogar das Meer im Norden sehen. 


In Rhynie wurden piktische Symbolsteine gefunden. Einige davon kann man nahe dem Friedhof und auf dem Square besichtigen. Der Craw Stane ist ein besonders schönes Exemplar. 
 
Weitere Symbolsteine, unter anderem der Rhynie Man, sind nicht mehr an Ort und Stelle anzufinden, sondern verbringen ihr Dasein in öffentlichen Ämtern in Aberdeen. 

Eine hier ansässige Künstlergruppe, die Rhynie Woman, haben es sich zur Aufgabe gemacht mit Humor und Witz ihren Rhynie Man wieder zurück nach Rhynie zu bringen.



Eine Gruppe von Archäologen kommt Jahr um Jahr nach Rhynie und gräbt nach Piktischen Funden. Der Name Rhynie bedeutet 'Ein sehr königlicher Ort' weist darauf hin, dass Rhynie einmal ein Königreich war. Wer hätte das von so einem unscheinbaren Örtchen gedacht!

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Vielen Dank an Anna Vermehren, die diesen Beitrag verfasst hat. Sie lebt in Rhynie und ist ein Mitglied der oben beschriebenen Künstlergruppe Rhynie Woman. Diese Gruppe veranstaltet immer wieder interessante Events, die einen Besuch lohnen.

Thursday, 1 January 2015

Winterimpressionen

In den Cairngorms liegt im Winter gewöhnlich immer Schnee. Aber sobald man in die Region an der Küste kommt, die meist nicht mehr als 300m über den Meeresspiegel hinauskommt, ist Schnee eher selten, selbst, wenn es kalt wird. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt jedoch für einen Winterzauber der etwas anderen Art, wenn Polarluft für mehrere Tage die Temperaturen bestimmt.



Dicker Rauhreif lagert sich überall da ab, wo der Untergrund kalt genug ist und verzaubert die Landschaft.




Das ansonsten durch den Golfstrom bedingte, milde Klima erlaubt im Winter eine eigentümliche Mischung aus grünem Gras mit der, von der Polarluft gefrohrenen, Feuchtigkeit.



Auf Strassen an geschützten Stellen kann sich der Rauhreif schon mal so dick ansammeln, dass er sich von Schneematsch nicht mehr unterscheiden lässt.

Monday, 29 December 2014

Hogmanay


ist das schottische Silvester. 

 
Vor noch gar nicht so langer Zeit, in den fünfzigern und sechzigern des vorigen Jahrhunderts war Hogmanay wichtiger als Weihnachten. So wie die Katholiken Weihnachten feiern war es den Presbyterianer zu päpstlich an. Auch bekamen die Kinder ihre Geschenke an Hogmanay anstatt an Weihnachten. Für lange Zeit war Weihnachten nicht nicht mehr als was Nikolaus und Sankt Martin heutzutage in Deutschland ist und bis in die siebziger des vorigen Jahrhunderts wurde am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag gearbeitet, wenn diese auf einen Werktag fielen. Erst durch Einfluss der Gewerkschaften wurden diese auch in Schottland offizielle Feiertage. Der Stellenwert von Hogmanay ist auch daran erkennbar, dass Hogmanay schon immer zwei Feiertage folgten und für viele Schotten ist Hogmanay immer noch das wichtigere Fest. Die Bedeutung von Weihnachten änderte sich mit der zunehmenden Amerikanisierung und die schottischen Kinder bekommen nun ihre Geschenke auch an Weihnachten. 

Die Besonderheit von Hogmanay liegt nicht zuletzt in seinen Wurzeln, die auf uralte, nicht christliche Festen, wie die Wintersonnenwende und Samhein, zurück zu führen sind. In größeren Orten und Städten finden Konzerte statt und das Ganze gleicht einer großen Straßenparty. Die wohl bekanntesten Feiern finden in Edinburgh in Princes Street Gardens statt. Diese Party ist so beliebt geworden, dass Eintrittskarten für die Feierlichten in Edinburgh verkauft werden. 

Aber auch Aberdeen und Elgin bieten Sehenswertes. Eine ganz besondere Tradition hat sich in Stonehaven entwickelt, wo Feuerball schwingende Schotten eine Parade halten.





In kleineren Orten, da wo jeder jeden kennt, feiern die Leute privat aber nicht unbedingt weniger. Die Tradition des first footing (die erste Person, die den Fuß über die Türschwelle setzt) beinhaltet, dass man Freunde und Bekannte besucht und ihnen Brot, Salz, Kohle als Geschenk bringt, damit ihnen das neue Jahr Glück bringt. Dabei kommen sie zur Vordertür hinein und verlassen das Haus zu Hintertür, so verlässt das Pech auch gleichzeitig das Haus.



Wer es dieses Jahr nicht mehr nach Stonehaven oder zu einem der anderen Hogmanay Feierlichkeiten kommt, kann sich bei BBC Scotland den  Feierlichkeiten anschließen und anschließend das Neujahr in Deutschland begrüßen, das dort ja eine Stunde später beginnt.




Wednesday, 29 October 2014

Zeit

Der Schottlandbesucher ist schnell versucht anzunehmen, dass die Schotten auf dem Land alle Zeit der Welt haben. Oft sieht man sie irgendwo geduldig anstehen, oder miteinander auf der Straße plaudern. Da scheint es dann auch nichts auszumachen, dass die Plauschenden hin und wieder schon mal alle anderen aufhalten.

Als vor einigen Jahren der Aldi in Elgin aufmachte, wunderte ich mich, wie das deutsche Konzept der super schnellen Kundenabfertigung hier in Schottland ankommen würde. Tatsächlich scheint es hier nicht viel anders zuzugehen als in Deutschland. Wenn der Kunde die Waren nicht schnell genug aufs Band legt, kommt der Kassierer und "hilft", und während man noch mit den Waren jongliert, die der Kassierer in Windeseile über den Scanner zieht, wird man gefragt, ob man mit Karte oder bar bezahlen will. 
Mit ein wenig Sorge beobachtete ich die alte Dame vor mir in der Schlange, der ohne jeden Zweifel ein Kulturschock bevorstand. Ich hätte mich nicht mehr irren können. Als die Dame an der Reihe war, wurde sie von der Kassiererin freundlich begrüßt. Die Kassiererin kam hinter der Kasse hervor und begann, die Waren aufs Band zu legen, während sie freundlich mit der älteren Dame plauderte. Sie scannte dann die Waren und eine weitere Aldi Mitarbeiterin packte sie für die ältere Dame in deren Tasche. Mittlerweile wuchs die Schlange der Wartenden immer weiter an. Schließlich gab die alte Dame der Kassiererin ihr Portemonnaie und während diese den zu zahlenden Betrag heraussuchte, dreht sich die Dame zu den wartenden Kunden um und erklärte, sie sei jetzt fast neunzig und sie würde immer in den Aldi einkaufen kommen, viel lieber als zu Tesco, weil im Aldi die Verkäuferinnen immer so nett seien und soviel Zeit hätten.

Ein alter Witz beschreibt das schottische Verhältnis zu Zeit so:

Ein Professor für Spanisch und ein Professor für Gälisch treffen sich auf einer Konferenz und diskutieren die Vorzüge ihrer jeweiligen Sprachen. "Sagen Sie mir" fragt der spanische Professor, "haben Sie ein gälisches Äquivalent für den spanischen Ausdruck mañana, mañana?" Der Professor für Gälisch denkt eine Weile nach und antwortet dann: "Nein, Ich glaube nicht, dass wir im Gälischen ein Wort haben, dass ein Konzept von solcher Hast ausdrückt."

Dabei sind die Schotten keineswegs so unzuverlässig, wie der erste Eindruck vermitteln könnte. Das Schlüsselwort hier ist "eventually" (zuletzt, zum Schluß). Wenn ein Schotte hier einem verspricht, dass zum Schluß alles in Ordnung kommt, dann ist vielleicht nicht klar, wann genau das passieren wird, aber man sich darauf verlassen, dass es passieren wird.

Aber auch Schotten müssen pünktlich zur Arbeit oder in der Schule erscheinen und auch im Theater oder Kino wartet man nicht, bis alle, die eine Eintrittskarte haben, erschienen sind. Die Strategie hier ist, das Schotten das Unerwartete ganz einfach mit einplanen und die Verabredungen, die sie unbedingt einhalten müssen, auf ein Minimum beschränken. Auf diese Weise haben sie genug Zeit auf das Unerwartete zu reagieren.

Auf eine Frage wie, "Kommst du auch zu dem Ceilidh am Samstag?" bekommt man dann eine Antwort wie, "Ich würde gerne, aber mein Sohn hat ein Spiel mit dem Rugby Club und ich weiß noch nicht wann die wieder zurück sind." 

So oder so ähnlich verlaufen viele Gespräche. Das macht es außerordentlich schwierig für die Leute, die diese Veranstaltungen planen, weil es sich jeder im Prinzip bis zum letzten Moment offen hält, ob er kommt oder nicht. In vielen Fällen steht bis zu allerletzt nicht fest, wer hilft und wie viele Besucher kommen.

Ich war schon auf Veranstaltungen, da gab es mehr Helfer als Besucher. Aber meistens geht alles gut. Weil diejenigen, die Hilfe brauchen, oft vorher anderen in ähnlichen Situationen geholfen haben, finden sich immer im letzten Moment einige, die einspringen. Und das trägt wesentlich zur Atmosphäre dieser Veranstaltungen bei. Weil alle das wissen, erwartet keiner, dass es perfekt ist und alle tragen zum Gelingen bei.

Deswegen lohnt es sich, mal bei einem Coffee Morning, Soup and Sweets oder Ceilidh vorbeizuschauen und einfach die Atmosphäre zu genießen.


Tuesday, 21 October 2014

Halloween


Dudendance sorgen für magische Eindrücke in Huntly

Auch wenn die Amerikanisierung vielerorts die alten schottischen Halloween Traditionen verdrängt hat, so spiegeln sie sich oft noch in den Einstellungen der Menschen hier wieder. Diejenige, die das Trick-or-Treat ablehnen spalten sich in zwei Gruppen. Viele christlich, religiöse Menschen lehnen Halloween als heidnisches Spektakel ab und aus diesem Grund werden auch in Schulen keine Halloween Partys für die Kinder gegeben. Die andere Gruppe besteht aus Leuten, die einfach die alte schottische Tradition schöner finden.

Früher haben sich die Kinder zu Halloween auch verkleidet, aber es gab keine ausgehöhlten Kürbisse, sondern ausgehöhlte Rübenlaternen, die die Kinder mit zum Guising nahmen. Sie gingen von Haus zu Haus, aber anstatt, "Trick or treat!" (Streich oder Süßigkeit) zu brüllen sagten sie Gedichte auf oder sangen ein Lied. Dafür gab es dann halt eine Belohnung. Oft erfragten die Kinder bei der Gelegenheit auch "A penny for the Guy" (Ein Penny für Guy). Um den 5.November findet die Guy Fawkes Night statt, in welcher früher eine Strohpuppe verbrannt wurde als Warnung für all jene, die auch mit dem Gedanken spielen das Parlamentsgebäude in London in die Luft zu sprengen. Damals waren Bonfire (Feuer) ein rein privates Vergnügungen und welche Kinder machen nicht gerne ein schönes Feuer in der Nacht. Und so sammelten sie schon mal an Halloween brennbare Materialien.

Heutzutage werden zumindest im Nordosten keine Strohpuppen mehr verbrannt und die Organisation des Bonfire, dass um den 5. November abgehalten wird, ist in fester Hand der Rotary Clubs. Dementsprechend groß sind die Feuer und werden von einem Feuerwerkspektakel begleitet.

Obwohl viele die alten Traditionen nicht vergessen haben, scheinen diese Traditionen im modernen Schottland nicht mehr so recht einen Platz zu haben. 




Um so erfreulicher ist es da, dass in den letzten Jahren in Huntly eine neue Tradition Fuß gefasst hat. Halloween in Huntly ist ein Spektakel für Groß und Klein und wird von Huntlys Bürgern in Zusammenarbeit mit Deveron Arts organisiert.


An drei Tagen finden ein Reihe von Veranstaltungen statt, die sich Performance Art und allem widmet, was Halloween so mit sich bringt und was die Leute in Huntly um diese Zeit so machen wollen. Herzstück sind die Veranstaltungen am Samstag.



Vor der beeindruckenden Kulisse von Huntly Castle führen Künstler und Tänzer unwirkliches, geheimnisvolles und gespenstisches auf. Danach führt die örtliche Pipe Band mit Masken verkleidet die Halloween Besucher zurück zum Square und zur Stewarts Hall, wo der Rest des Abends dann mit einem Ceilidh gefeiert wird.


Das volle Programm ist hier zu finden:

http://www.deveron-arts.com/events/halloween-huntly-2014/

Saturday, 4 October 2014

Silbermöven (herring gulls)

sind sehr beeindruckende Vögel, sie können einen Ohren betäubenden Lärm verbreiten und so groß werden wie Gänse, was ihren Flugkünsten aber keinen Abbruch tut. Vor langer, langer Zeit lebten und brüteten sie in den Steilküsten von Schottland, ernährten sich von Fischen und hielten sich, wie die meisten anderen wilden Tiere, vom Lebensraum der Menschen fern. 

Dann änderte sich aber einiges, die Überfischung der Meere sorgte für Nahrungsmangel und die intelligenten Tiere mussten sich woanders nach Nahrung umsehen. Glücklicherweise hatten die Menschen inzwischen die Konsumgesellschaft erfunden und in Schottland entledigte man sich des Mülls, indem die schwarzen Mülltüten direkt an den Straßenrand gestellt wurden, bis die Müllabfuhr vorbeikommen und den Müll einsammeln würde. Die Möwen lernten, wo der best Take Away nachts den Müll raus stellte und von da an stellten sie ihre Ernährung auf Fish & Chips, Indian Curries und Haushaltsmüll um.Bei dem Nahrungsangebot gedeihten die Möwen prächtig und sie zogen von den Klippen in die Städte und Dörfer Schottlands um. 

Die meisten Schotten betrachten sie als unerwünschte Eindringlinge. Der Lärm ist dabei nicht das größte Problem. Oft nisten die Möwen in Wohngebieten. Sie haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und wenn der Nachwuchs das Nest verlässt und in Garageneinfahrten und Vorgärten erste Flugversuche unternimmt und nach Futter sucht, dann sind immer ein oder alle beide Eltern nicht weit, um den Nachwuchs zu beschützen. Im Stiele von Alfred Hitchkocks Die Vögel werden dann Hunde, Katzen und Kinder attackiert, wenn die Möweneltern ihre Sprösslinge bedroht glauben. Die meiste Zeit beschränken sie sich darauf ihre Meinung mit bedrohlichen Sturzflügen Ausdruck zu verleihen, aber gelegentlich gehen sie auch zum Angriff über.

Besonders beliebt bei Möwen sind Supermarktparkplätze, weil es dort ein recht Abwechslungsreiches Nahrungsangebot gibt. Die Möwenkinder betteln Kunden an.




Und die Eltern stehen bereit, dem Sprössling alle notwendige Hilfestellung zu geben.


Gelegentlich beschränken sich die ausgewachsenen Tiere nicht aufs Betteln. Ich wurde mal von einer Möwe auf einem Parkplatz in die Hand gebissen. Sie hatte ihr Ziel (mein Butterbrot) verfehlt, als sie sich im Sturzflug auf den Leckerbissen stürzte.

Und hin und wieder hilft halt nur selber in den Laden gehen, so wie die Seemöwe Sam das tut, die sich in Aberdeen täglich mit einer Tüte Chips versorgte.

Monday, 8 September 2014

Grünzeug, Vegetation und Gärten

Gärtnern wird in Schottland groß geschrieben. Dabei gibt es Herausforderungen aber auch Vorteile, die es in Deutschland so nicht gibt. Manche Pflanzen lieben ganz einfach das hiesige Klima und die schottischen Wachstumsbedingungen. So zum Beispiel wächst Rhododendron hier ausgezeichnet, ganz ähnlich wie die Goarse und oft wächst er viel zu üppig.

Rhododendron
Rhododendron

Nicht selten verwildern die Rhododendren und verdrängen dann einheimische Pflanzen im Unterholz der Wälder.

  
Nichtsdestoweniger beeindrucken sie mit ihrer Größe und Schönheit.



Was hier wächst und wie groß es wird, hängt nicht nur sehr vom Wetter ab, sondern auch von den Fähigkeiten der Gärtner(innen). Die Damen von Glenview Farm z.B. wickeln ihre Pflanzen abends oft einzeln ein und morgens wieder aus, wenn im Frühjahr später Nachtfrost droht. Die Arbeit lohnt sich, das Gemüse, dass man bei ihnen kaufen kann, schmeckt nicht nur viel besser als das vom Supermarkt, es wird auch oft recht groß, wie dieser Blumenkohl bezeugt:


Auch die industriellen Landwirte hängen vom Wetter ab. Ein kalter, nasser Sommer lässt das Getreide nicht reifen und nicht selten sieht man im Oktober noch grünliche Felder und die Ernte beginnt sehr selten bevor September. 

Ein früh gereiftes Feld in einem warmen Sommer
Es dauert gewöhnlich bis in den frühen Winter bevor Nachtfröste das Wachstum der Pflanzen vollständig zum Stillstand bringen. Die Himbeeren im folgenden Bild sind im Oktober aufgenommen, zu einer Zeit wo die Tage selbst bei Sonnenschein schon so dunkel sind, dass die Kamera Blitzlicht benötigt:

Himbeeren im Oktober

Diese Verfügbarkeit von essbarer Vegetation hat Deveron Arts in Huntly zur Anlage eines essbaren Wanderweges inspiriert: A Bite On The Site gibt Wanderfreunden einen Hinweis darauf, wo in Huntly sie beim Spaziergang etwas zu essen pflücken können. 

Der Golfstrom, der den Frost verhindert, sorgt auch dafür, das die Tagestemperaturen sich kaum von den Nachttemperaturen unterscheiden. Es sind aber gerade die Unterschiede zwischen sehr kalten Nächten und noch relativ warmen Tagen, die den Bäumen im Herbst den bevorstehenden Winter verkünden. Ohne diese Temperaturunterschiede verfärben sich die Blätter der Bäume im Herbst kaum und nur sehr selten sieht man gelbe Bäume und fast nie rote. Die vorherrschende Blattfarbe im Herbst ist ein bräunliches olivgrün. 

Für Gartenliebhaber bietet Aberdeenshire und Umgebung eine große Auswahl an traditionellen aber auch an modernen, an ökologischen Bedürfnissen ausgerichteten Gärten. Viele Castles haben traditionelle "Walled Gardens", und unter den walled gardens ist der elisabethanische Garten Pitmedden Garden eine besonders seltene, historische Perle.

Als Beispiele ökologisch ausgerichteter Gärten wäre der Forres Community Garden zu nennen, das Pitcaple Environmental Project und der Boyndie Trust.

Und zu guter Letzt sollte noch Scotland's Open Garden Day erwähnt werden, an dem nicht nur öffentliche Gärten, sondern auch private ihre Gartentore für Besucher öffnen. Der Eintritt geht an diesen Tagen an eine karitative Einrichtung.