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Sunday, 6 September 2015

Turriff

... wird von den Einheimischen Turra genannt und ist die Heimat des Bauern und seiner Kuh (schottisch: coo), der sich gegen ungerecht empfundene Abgaben widersetzte. Besser als ich kennt sich da aber Hanna Pennig aus, die dort heimische geworden ist, wie mir unmissverstänlich von einer älteren Dame aus Turriff erklärt worden war, die jeden möglichen Zweifel von vorne herein ausschließen wollte. Hanna hat sch freundlicherweise bereit erklärt, etwas über Turriff zu schreiben:



Zwischen Aberdeen und Banff im Nordosten Schottlands findet man das kleine Städtchen Turriff. Mancheinem mag es unscheinbar erscheinen, dennoch ist es voller Leben. Zwischen den hübschen roten Sandsteinhäusern herrscht wochentags emsiges Treiben um die Turra Coo herum. 


Das kleine Museum lädt auf eine Exkursion in die Vergangenheit ein. Jeden dritten Samstag im Monat gastiert der Farmers Market in Turriff. Am ersten Montag im Mai, findet das jährliche Mayday Festival statt. Die Straßen sind voll mit bunten Buden und natürlich marschiert die Pipeband (Dudelsackgruppe) auf. 
 

Der Höhepunkt jedoch ist die Turriff Show Anfang August. Unten in den Haughs treffen sich Bauern und Geschäftsleute, Händler und Würstchenverkäufer. Zum 150. Jubiläum kam sogar die Queen vorbei. Als eine der besten Landwirtschaftsmessen in Großbritannien kann sich die Turriff Show sehen lassen. Nicht nur Hochleistungskühe und Monstertraktoren werden hier zur Schau gestellt, es gibt Spaß für die ganze Familie. Trabrennen, Pommes mit Ketchup, Losbuden oder gar ein Ritterturnier. An beiden Tagen kommen Besucher voll auf ihre Kosten.

Auch die Umgebung von Turriff kann sich sehen lassen. Ländliche Idylle wird zum Beispiel im Delgatie Castle (ca. 3km östlich) untermalt mit selbstgebackenen preisgekrönten Kuchen. Ein absoluter Muss-Genuss! Kinder können sich im Coffee & Kids (ca. 8km westlich)   austoben, während sich die Eltern bei einer herrlichen Tasse Kaffee ausruhen. 
 
Wer keine Kinder hat, kann der generalüberholten Glendronach-Distillerie einen Besuch abstatten oder einen Runde Golf spielen gehen.

Sunday, 2 August 2015

Huntly Farmers' Market

Farmers' Markets gibt es öfter in Aberdeenshire.
Sie wurden eingeführt, um örtlichen Landwirten und Produzenten von Nahrungsmitteln und anderen Produkten eine Möglichkeit zu geben, deren Produkte direkt zu vertreiben, ohne auf Supermärkte oder Geschäfte angewiesen zu sein.

Ähnlich wie in Deutschland, verdrängen hier zumeist industrielle Nahrungsmittelproduzenten und große Supermarktketten, einschließlich Lidl und Aldi, die kleineren traditionellen Geschäfte und Produzenten.

Der Markt in Huntly hat sehr strenge Regeln und ist deswegen zwar klein aber fein. Alle angebotenen Produkte müssen selbst hergestellt sein und es gibt von einer Produktart nur einen Stand. Der Grund dafür ist, dass zu viel Konkurenz es für Marktteilnehmer unwirtschaftlich macht, zu einem Markt zu kommen, was Märkten in anderen Teilen von Aberdeenshire, die nicht diese Regel hatten, sehr geschadet hat.

Obwohl es schwierig sein kann außerhalb von Farmers' Märkten örtlich hergestellte Produkte zu erwerben, sind diese von einer herausragenden Qualität und besser als die im Supermarkt. Oft werden dort auch Produkte angeboten, die es in den Supermärkten gar nicht gibt.

Die besten eingelgten Oliven weit und breit
Ein Beispiel hierfür sind die Fleischprodukte. Viele Farmer züchten hier seltene Haustierrassen, die sich für den Verkauf in großen Supermarktketten deswegen nicht anbieten, weil diese bei der Produktauswahl auf gleichbleibende Qualität in großen Mengen wert legen. Die seltenen Haustierrassen sind so selten das "große Mengen" ein Kriterium ist, dass sich nicht erfüllen lässt.



 Dasselbe gilt für die Wildproduzenten. Wildfleisch ist verfügbar je nach Jagdsaison und Jagderfolg. Infolge dessen variiert das Angebot an Wildfleisch von Monat zu Monat.

Amy und Yvonne in einem fast ausverkauftem Stand
Ein besonders Beeindruckender Stand ist der von Glenview Farm. Amy und Yvonne lieben Gemüse und so kamen sie dazu es für sich und andere anzubauen. Die Liebe und Arbeit, die sie in das Gärtnern hineinstecken, lässt sich an den Resultaten ersehen. Sie schaffen es, Gemüse wie Tomaten und Gurken zum Reifen zu bringen, wenn alle Hobby Gärtner der Gegend noch auf Blüten hoffen. Gerne geben Yvonne und Amy Auskunft, wie sie es schaffen, ihre Pflanzen zum wachsen zu bringen. Mit all ihren Tipps wachsen meine schon besser, aber es braucht wirklich die Leidenschaft und Begeisterung für Gemüse, die den Unterschied ausmacht. Es empfiehlt sich entweder das Gemüse für den Markttag im voraus zu bestellen oder sehr früh zum Markt zu kommen, weil die Damen sehr schnell ausverkaufen.

Der Informationsstand des Huntly und District Development Trust


Welche Stände zu welchem Markt kommen, lässt sich auf der Webseite des Farmers' Marktes erfahren. Der wohl größte Markttag ist der erste Samstag im September, wenn der Markt auch am längsten dauert (anstatt von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr geht dieser bis 16.00 Uhr), sich Huntly Hairst (Huntly Ernte) nennt und in eine Vielzahl von traditionel schottischen Veranstaltungen eingebettet ist, die Huntly zu einem Ausflugsziel für die ganze Familie machen. Mehr dazu gibt es auf der Webseite des Food und Farming Festivals.

Hier gibt es auch die Wanderführer für Huntly und Umgebung

Wer es nicht zu dem Markt schafft, hat zum Teil die Möglichkeit, von den Produzenten vor Ort zu kaufen. Mortlach Game bieten ihr Wildfleisch auch über die Webseite an, einfach kontaktieren und fragen, was im Angebot ist. 

Steve und Emma von Mortlach Game
Und CastleHill Farm, die die wundervollsten Ziegen- und Schafwürste und auch sonst jede Menge feinster Fleischprodukte von seltenen Haustierrassen haben, bieten Kunden die Möglichkeit, Fleisch auf ihrem Hof zu kaufen. In jedem Fall vorher anrufen oder emailen, um sicher zu stellen, dass jemand da ist.

Ian (Castlehill Farm) mit Tochter Dasie, die ihm oft hilfreich zur Seite steht
 Gelegentlich gibt es auch Musik.


Jeder Farmers' Market bietet einen Informationsstand an dem örtliche Gruppen die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren und einen Fundraising Stand in dem gemeinnützige Gruppen Lotterien abhalten und andere Angebote haben, um Geld für ihren Zweck zu Sammeln.

Jane setzt sich für gerechten Handel ein
Und fast immer hat Deveron Arts einen Stand.


 Deveron Arts ist ein großartige Kunstorganisation, deren Kunst über den ganzen Ort verteilt zu bewundern ist und die viele Aktionen veranstalten, die Spaß machen und zum Nachdenken anregen.

Die Vielfalt des Farmers' Market zieht eine bunte Schar von Besuchern an, ein monatliches schottisches Ritual fernab ausgetretener Touristenpfade.

Tuesday, 7 July 2015

Ceilidhs - die Kunst des schottischen Tanzens


Ceilidhs machen einfach nur Spaß und eigentlich bräuchte man nicht mehr dazu zu sagen. Wer die Chance hatte, zu einem richtig schottischen Ceilidh zu gehen, weiß was gemeint ist.
  

Scottische Scouts z. B. organisierten solche Tanzvergnügungen auf der Haarlem Jamborette 2015 in Holland:



Für all anderen möchte ich Iain Banks zitieren, der in seinem Roman Stonemouth den Ceilidh so akkurat beschrieben hat, dass dem nichts anderes hinzu zu fügen ist, außer vielleicht wann und wo Ceilidhs statt finden. Aber zunächst der Auszug aus Iain Banks Stonemouth:



Die Ceilidh Band war dabei das Equipment aufzubauen: schlecht gelaunte Typen so etwa in meinem Alter in schwarzen Kilts, Dreadlocks und klobigen Schuhen.

Sie nannten sich Caul of the Wild und wahren vermutlich sauer, dass sie nicht als erste an Red Hot Chilli Pipers gedacht hatten. Später würde es eine Disco geben, aber davor würde die Art von Juhuu, schwing-deine-Großmutter-bei-ihrem-Zeh Zeug stattfinden, welches bei der Art von Tänzen vorausgesetzt wird, die sie in den Schulen in dieser Gegend lehren, mit so anregenden Titeln wie Eightsome Reel (Runde für acht Personen), Dashing White Sergeant (Fescher, weißer Unteroffizier) und Strip the Willow (Schäle die Weide).



Vollblut Scottish Country Dancing bietet ein akustisches und visuelles Spektakel, das nichts für schwache Nerven ist. Abgesehen von einigen sanften Tänzen, wie der St Bernhard's Waltz (St Bernhards Walzer) - die im wesentlichen für Opas und Omas sind, damit sie sich gegenseitig über die Tanzfläche schieben und dabei frühere, glorreiche Zeiten wieder aufwärmen können, während alle anderen an die Bar gehen - ist das alles ziemlich verrücktes Zeug, betrunkene Leute, die an eine Meute sich drängelnder Rugby Spieler erinnern, wirbeln durch den Raum in zunehmend fragmentierten Haufen und versuchen sich daran zu erinnern, was zum Teufel als nächstes dran ist.



Der Gay Gordons (fröhliche Gordons) ist im Grunde genommen choreographiertes Chaos und ein Eightsome Reel ist ein geistesgestörter Marathon der einen Dr Titel im Tanzen voraussetzt. Zweihundertundsechsundfünfzig Takteinheiten

von herum sausen, rückwärts gehen, drehen, hopsen, pas-de-aufbauen, hüpfschreiten, aufeinander-folgend-Partner-tauschen-bis-du-wieder-bei-dem-bist-mit-dem-du-angefangen-hast Musik ist normal, aber der echte Eightsome dauert vierhundertvierundsechzig Takteinheiten, und egal wie fit du am Anfang bist, es ist immer schrecklich gut, zum Ende zu kommen.



Der Anlass für den Ceilidh in Stonemouth war eine Hochzeit. In den allermeisten Fällen ist es jedoch eine Veranstaltung für einen guten Zweck. Das sind oft "bring your own" Ceilidhs, wo man sich seine eigenen Erfrischungen mitbringt (alkoholische und nicht alkoholische Geträmke, sowie Knabbersachen), obwohl bei einigen Ceilidhs nicht alkoholische Erfrischungen angeboten werden, die manchmal im Eintrittspreis enthalten sind und manchmal nicht. 

Es empfiehlt sich auch, einzelne Pfundstücke mit sich zu führen, für Raffle tickets (Lottery lose) und die gelegentliche Flasche Whisky, die es hin und wieder zu gewinnen gibt.


Dabei versucht jeder nach Belieben sein Pfund so nah wie möglich an die Flasche zu bringen und man hat so viele Versuche hat wie man Pfundstücke in der Tasche hat.



In Huntly tanzen die Leute auch schon mal auf der Straße






Während des Sommers veranstaltet die hiesige Touristenorganisation Ceilidhs

und im Herbst gibt es den Halloween Ceilidh in Huntly....


 ....wo tanzen mit einem Baum die Dinge noch ein wenig komplizierter machen kann


Wednesday, 18 March 2015

Musik in der Tin Hut

Die Tin Hut ist eine kleine Halle mit einer schönen Akustik in Gartly unweit von Huntly, in der sich an jedem letzten Donnerstag im Monat Musiker zu den Tin Hut Sessions versammeln. Nacheinander geben sie Lieder zum besten, alles von schottischer Volksmusik, Eigenkompositionen bis hin zu Pop- und Rock. Erlaubt ist was gefällt. 

Fraser organisiert nicht nur diese Treffen, sondern nimmt auch Teil. 



Die nachfolgenden Videos sind sehr dunkel, weil die Halle fast nur von Kerzenlicht erhellt wird, aber sie geben einen guten Eindruck von der Musik, die dort zu hören ist. Fraser wünscht sich Sonne und Wärme:


Humor ist ein wesentlicher Bestandteil des Abends, auch wenn er oft trocken serviert wird. Als sich Marys Handy mittem in einem Lied mit dem Nokia Ringtone unüberhörbar bemerkbar machte, lehnte sich Fraser zu Mary hinüber und sagte halblaut: "Falsche Tonart."








Adam kam zu Besuch. Er ist ein Musiker auf Reisen und er komponiert seine eigenen Songs.





Und dann sind da unsere eigenen einheimische Musiker, die die alten Lieder kennen und gerne zum Besten geben.



Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern um das Gemeinsame. Deswegen freuen sich alle Musiker über jeden neuen Teilnehmer. Jeder der ein Musik Instrument spielt oder singt, ist willkommen.


Aber auch Zuhörer sind erwünscht. Musik machen macht mehr Spaß, wenn jemand da ist, der sie genießt. Deswegen einfach mal vorbeikommen, zum Musizieren oder Zuhören. Der Eintritt ist frei.

In der Tin Hut finden aber auch professionelle Konzerte statt mit oft herausragenden Künstlern. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Webseite der Tin Hut.

Die Tin Hut hat keine Bar und es gibt auch kein Pub in der Nähe, deshalb werden Besucher immer dazu ermutigt, selber für Ihr leibliches Wohl zu sorgen und sich Getränke selber mitzubringen.

Mit der Kombination von professionellen Veranstaltungen und der Musik für Jedermann hat die Tin Hut im vergangenen Jahr die Auszeichnung für den besten Club des Jahres 2014 des renomierten Scots Trad Music Awards gewonnen.

Monday, 19 January 2015

Huntly Webseite auf deutsch

Wie schon in diesem Blog beschrieben, ist Huntly ein bezaubernder Ort, in dem es sich fantastisch Urlaub machen lässt. 

Wer mehr über die örtlichen Gegebenheiten in Huntly erfahren möchte, kann jetzt mehr über den Ort auf Huntly.de nachlesen, komplett auf Gordon Dress Tartan präsentiert. 

Sunday, 18 January 2015

Rhynie

ist eine kleine Ortschaft mit rund 300 Bewohnern liegt 12 Meilen südlich von Huntly. Wenn Rhynie auch auf den ersten Blick nicht besonders spannend anmutet, ist hier viel zu entdecken! 





























Die Rhynie Chert ist ein Hornstein der in Rhynie vorkommt und zu den bedeutendsten fossil-führenden Gesteinen des unteren Devon zuzuordnen ist. In diesem Gestein wurde die fossile Pflanze Rhynia gefunden. Der Ort gab ihr ihren Namen.



Rhynie's Landschaft deutet auf eine reiche Geschichte. Es gibt hier viele Piktische Funde und Hillforts. Dazu zählen unter anderem Tap o' Noth, Weedlemount und der Ord. Auf den Tap führt ein gut zu erreichender Fußweg. Oben angekommen hat man einen wunderbaren Ausblick über die Region. An klaren Tagen kann man sogar das Meer im Norden sehen. 


In Rhynie wurden piktische Symbolsteine gefunden. Einige davon kann man nahe dem Friedhof und auf dem Square besichtigen. Der Craw Stane ist ein besonders schönes Exemplar. 
 
Weitere Symbolsteine, unter anderem der Rhynie Man, sind nicht mehr an Ort und Stelle anzufinden, sondern verbringen ihr Dasein in öffentlichen Ämtern in Aberdeen. 

Eine hier ansässige Künstlergruppe, die Rhynie Woman, haben es sich zur Aufgabe gemacht mit Humor und Witz ihren Rhynie Man wieder zurück nach Rhynie zu bringen.



Eine Gruppe von Archäologen kommt Jahr um Jahr nach Rhynie und gräbt nach Piktischen Funden. Der Name Rhynie bedeutet 'Ein sehr königlicher Ort' weist darauf hin, dass Rhynie einmal ein Königreich war. Wer hätte das von so einem unscheinbaren Örtchen gedacht!

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Vielen Dank an Anna Vermehren, die diesen Beitrag verfasst hat. Sie lebt in Rhynie und ist ein Mitglied der oben beschriebenen Künstlergruppe Rhynie Woman. Diese Gruppe veranstaltet immer wieder interessante Events, die einen Besuch lohnen.

Monday, 29 December 2014

Hogmanay


ist das schottische Silvester. 

 
Vor noch gar nicht so langer Zeit, in den fünfzigern und sechzigern des vorigen Jahrhunderts war Hogmanay wichtiger als Weihnachten. So wie die Katholiken Weihnachten feiern war es den Presbyterianer zu päpstlich an. Auch bekamen die Kinder ihre Geschenke an Hogmanay anstatt an Weihnachten. Für lange Zeit war Weihnachten nicht nicht mehr als was Nikolaus und Sankt Martin heutzutage in Deutschland ist und bis in die siebziger des vorigen Jahrhunderts wurde am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag gearbeitet, wenn diese auf einen Werktag fielen. Erst durch Einfluss der Gewerkschaften wurden diese auch in Schottland offizielle Feiertage. Der Stellenwert von Hogmanay ist auch daran erkennbar, dass Hogmanay schon immer zwei Feiertage folgten und für viele Schotten ist Hogmanay immer noch das wichtigere Fest. Die Bedeutung von Weihnachten änderte sich mit der zunehmenden Amerikanisierung und die schottischen Kinder bekommen nun ihre Geschenke auch an Weihnachten. 

Die Besonderheit von Hogmanay liegt nicht zuletzt in seinen Wurzeln, die auf uralte, nicht christliche Festen, wie die Wintersonnenwende und Samhein, zurück zu führen sind. In größeren Orten und Städten finden Konzerte statt und das Ganze gleicht einer großen Straßenparty. Die wohl bekanntesten Feiern finden in Edinburgh in Princes Street Gardens statt. Diese Party ist so beliebt geworden, dass Eintrittskarten für die Feierlichten in Edinburgh verkauft werden. 

Aber auch Aberdeen und Elgin bieten Sehenswertes. Eine ganz besondere Tradition hat sich in Stonehaven entwickelt, wo Feuerball schwingende Schotten eine Parade halten.





In kleineren Orten, da wo jeder jeden kennt, feiern die Leute privat aber nicht unbedingt weniger. Die Tradition des first footing (die erste Person, die den Fuß über die Türschwelle setzt) beinhaltet, dass man Freunde und Bekannte besucht und ihnen Brot, Salz, Kohle als Geschenk bringt, damit ihnen das neue Jahr Glück bringt. Dabei kommen sie zur Vordertür hinein und verlassen das Haus zu Hintertür, so verlässt das Pech auch gleichzeitig das Haus.



Wer es dieses Jahr nicht mehr nach Stonehaven oder zu einem der anderen Hogmanay Feierlichkeiten kommt, kann sich bei BBC Scotland den  Feierlichkeiten anschließen und anschließend das Neujahr in Deutschland begrüßen, das dort ja eine Stunde später beginnt.




Wednesday, 29 October 2014

Zeit

Der Schottlandbesucher ist schnell versucht anzunehmen, dass die Schotten auf dem Land alle Zeit der Welt haben. Oft sieht man sie irgendwo geduldig anstehen, oder miteinander auf der Straße plaudern. Da scheint es dann auch nichts auszumachen, dass die Plauschenden hin und wieder schon mal alle anderen aufhalten.

Als vor einigen Jahren der Aldi in Elgin aufmachte, wunderte ich mich, wie das deutsche Konzept der super schnellen Kundenabfertigung hier in Schottland ankommen würde. Tatsächlich scheint es hier nicht viel anders zuzugehen als in Deutschland. Wenn der Kunde die Waren nicht schnell genug aufs Band legt, kommt der Kassierer und "hilft", und während man noch mit den Waren jongliert, die der Kassierer in Windeseile über den Scanner zieht, wird man gefragt, ob man mit Karte oder bar bezahlen will. 
Mit ein wenig Sorge beobachtete ich die alte Dame vor mir in der Schlange, der ohne jeden Zweifel ein Kulturschock bevorstand. Ich hätte mich nicht mehr irren können. Als die Dame an der Reihe war, wurde sie von der Kassiererin freundlich begrüßt. Die Kassiererin kam hinter der Kasse hervor und begann, die Waren aufs Band zu legen, während sie freundlich mit der älteren Dame plauderte. Sie scannte dann die Waren und eine weitere Aldi Mitarbeiterin packte sie für die ältere Dame in deren Tasche. Mittlerweile wuchs die Schlange der Wartenden immer weiter an. Schließlich gab die alte Dame der Kassiererin ihr Portemonnaie und während diese den zu zahlenden Betrag heraussuchte, dreht sich die Dame zu den wartenden Kunden um und erklärte, sie sei jetzt fast neunzig und sie würde immer in den Aldi einkaufen kommen, viel lieber als zu Tesco, weil im Aldi die Verkäuferinnen immer so nett seien und soviel Zeit hätten.

Ein alter Witz beschreibt das schottische Verhältnis zu Zeit so:

Ein Professor für Spanisch und ein Professor für Gälisch treffen sich auf einer Konferenz und diskutieren die Vorzüge ihrer jeweiligen Sprachen. "Sagen Sie mir" fragt der spanische Professor, "haben Sie ein gälisches Äquivalent für den spanischen Ausdruck mañana, mañana?" Der Professor für Gälisch denkt eine Weile nach und antwortet dann: "Nein, Ich glaube nicht, dass wir im Gälischen ein Wort haben, dass ein Konzept von solcher Hast ausdrückt."

Dabei sind die Schotten keineswegs so unzuverlässig, wie der erste Eindruck vermitteln könnte. Das Schlüsselwort hier ist "eventually" (zuletzt, zum Schluß). Wenn ein Schotte hier einem verspricht, dass zum Schluß alles in Ordnung kommt, dann ist vielleicht nicht klar, wann genau das passieren wird, aber man sich darauf verlassen, dass es passieren wird.

Aber auch Schotten müssen pünktlich zur Arbeit oder in der Schule erscheinen und auch im Theater oder Kino wartet man nicht, bis alle, die eine Eintrittskarte haben, erschienen sind. Die Strategie hier ist, das Schotten das Unerwartete ganz einfach mit einplanen und die Verabredungen, die sie unbedingt einhalten müssen, auf ein Minimum beschränken. Auf diese Weise haben sie genug Zeit auf das Unerwartete zu reagieren.

Auf eine Frage wie, "Kommst du auch zu dem Ceilidh am Samstag?" bekommt man dann eine Antwort wie, "Ich würde gerne, aber mein Sohn hat ein Spiel mit dem Rugby Club und ich weiß noch nicht wann die wieder zurück sind." 

So oder so ähnlich verlaufen viele Gespräche. Das macht es außerordentlich schwierig für die Leute, die diese Veranstaltungen planen, weil es sich jeder im Prinzip bis zum letzten Moment offen hält, ob er kommt oder nicht. In vielen Fällen steht bis zu allerletzt nicht fest, wer hilft und wie viele Besucher kommen.

Ich war schon auf Veranstaltungen, da gab es mehr Helfer als Besucher. Aber meistens geht alles gut. Weil diejenigen, die Hilfe brauchen, oft vorher anderen in ähnlichen Situationen geholfen haben, finden sich immer im letzten Moment einige, die einspringen. Und das trägt wesentlich zur Atmosphäre dieser Veranstaltungen bei. Weil alle das wissen, erwartet keiner, dass es perfekt ist und alle tragen zum Gelingen bei.

Deswegen lohnt es sich, mal bei einem Coffee Morning, Soup and Sweets oder Ceilidh vorbeizuschauen und einfach die Atmosphäre zu genießen.


Tuesday, 21 October 2014

Halloween


Dudendance sorgen für magische Eindrücke in Huntly

Auch wenn die Amerikanisierung vielerorts die alten schottischen Halloween Traditionen verdrängt hat, so spiegeln sie sich oft noch in den Einstellungen der Menschen hier wieder. Diejenige, die das Trick-or-Treat ablehnen spalten sich in zwei Gruppen. Viele christlich, religiöse Menschen lehnen Halloween als heidnisches Spektakel ab und aus diesem Grund werden auch in Schulen keine Halloween Partys für die Kinder gegeben. Die andere Gruppe besteht aus Leuten, die einfach die alte schottische Tradition schöner finden.

Früher haben sich die Kinder zu Halloween auch verkleidet, aber es gab keine ausgehöhlten Kürbisse, sondern ausgehöhlte Rübenlaternen, die die Kinder mit zum Guising nahmen. Sie gingen von Haus zu Haus, aber anstatt, "Trick or treat!" (Streich oder Süßigkeit) zu brüllen sagten sie Gedichte auf oder sangen ein Lied. Dafür gab es dann halt eine Belohnung. Oft erfragten die Kinder bei der Gelegenheit auch "A penny for the Guy" (Ein Penny für Guy). Um den 5.November findet die Guy Fawkes Night statt, in welcher früher eine Strohpuppe verbrannt wurde als Warnung für all jene, die auch mit dem Gedanken spielen das Parlamentsgebäude in London in die Luft zu sprengen. Damals waren Bonfire (Feuer) ein rein privates Vergnügungen und welche Kinder machen nicht gerne ein schönes Feuer in der Nacht. Und so sammelten sie schon mal an Halloween brennbare Materialien.

Heutzutage werden zumindest im Nordosten keine Strohpuppen mehr verbrannt und die Organisation des Bonfire, dass um den 5. November abgehalten wird, ist in fester Hand der Rotary Clubs. Dementsprechend groß sind die Feuer und werden von einem Feuerwerkspektakel begleitet.

Obwohl viele die alten Traditionen nicht vergessen haben, scheinen diese Traditionen im modernen Schottland nicht mehr so recht einen Platz zu haben. 




Um so erfreulicher ist es da, dass in den letzten Jahren in Huntly eine neue Tradition Fuß gefasst hat. Halloween in Huntly ist ein Spektakel für Groß und Klein und wird von Huntlys Bürgern in Zusammenarbeit mit Deveron Arts organisiert.


An drei Tagen finden ein Reihe von Veranstaltungen statt, die sich Performance Art und allem widmet, was Halloween so mit sich bringt und was die Leute in Huntly um diese Zeit so machen wollen. Herzstück sind die Veranstaltungen am Samstag.



Vor der beeindruckenden Kulisse von Huntly Castle führen Künstler und Tänzer unwirkliches, geheimnisvolles und gespenstisches auf. Danach führt die örtliche Pipe Band mit Masken verkleidet die Halloween Besucher zurück zum Square und zur Stewarts Hall, wo der Rest des Abends dann mit einem Ceilidh gefeiert wird.


Das volle Programm ist hier zu finden:

http://www.deveron-arts.com/events/halloween-huntly-2014/

Friday, 30 May 2014

National Trust Veranstaltungen

Der National Trust of Scotland ist Verantwortlich für die Verwaltung, Instandhaltung und Pflege vieler Burgen, Schlösser und denkmalgeschützter Gebäude und Gartenanlagen. Neben regulären Besichtigungen bietet der Trust auch oft die verschiedensten Veranstaltungen an und es lohnt ein Besuch der Webseite.



Viele der alten Gemäuer enthalten alte Musikinstrumente, die bislang meistens nur bestaunt werden durften, aber nie zu hören waren. Diesen Sommer soll sich das ändern.

Dr Roger Williams, vormals Master of Chapel and Ceremonial Music und Organist an der Aberdeen University, hat die Instrumentensammlung viele Jahre lang erforscht.Viele dieser Instrumente sind nicht nur einzigartig, sondern sie klingen auch anders, als ihre modernen Nachfolger. So z.B. stehen in Fyvie Castle und Castle Fraser Square Pianos, die einen deutlich anderen Klang erzeugen als moderne Klaviere. Um einen authentischen Eindruck zu bekommen, wie sich die zeitgenössische Musik zu Zeiten berühmter Komponisten angehört hat, hat Dr Williams nun ein Musikprogramm zusammen gestellt, dass während des Sommers über verschiedene Veranstaltungsorte im Nordosten Schottlands verteilt stattfinden wird. Einige, der Veranstaltungen sind kostenlos, andere finden in einem formellen Rahmen statt, für die es Karten zu kaufen gibt.

Hier das volle Programm:


Sun 8 June,
Brodie Castle
Tea time Concert
4pm – ticketed
Cameramici - Trio Sonatas by Handel, Telemann and Quantz, Debussy: Syrinx;, Britten; Metamorphosen; R.B.Williams; Fragments.


Fri 13 June
Crathes Castle
Evening Concert
7.30pm – ticketed
Edinburgh Quartet - Haydn (The Joke Quartet), Shostakovich(Quartet no. 4) and Mendelssohn(Quartet Op.80)


Fri 20 June
Leith Hall
Early evening 6.30pm – ticketed
Sinfonietta Trio plays trios by Haydn in E flat; Schubert in B flat.


Wed 2 July
House of Dun
Evening Concert
7.30pm – ticketed
Derek Buchan (Piano) Mozart: Fantasy and sonata in c minor:, Schumann; Papillons; Chopin: Fantaisie Impromptu; Debussy: Reflets dans l’eau


Sun 13 July
Fyvie Castle
Afternoon Promenade
3pm – free
Joseph Long (Piano) to include music by Mozart, Beethoven and Chopin.


Fri 18 July
Leith Hall
Early Evening 6.30pm – ticketed
Raemond Jappy (Fiddle) ; Maureen Rutherford (Piano) Scottish fiddle music, to include compositions by the Gow family.


Sun 20 July
Haddo House
Evening Piano recital
7.30pm – ticketed
Emmanuel Voigt (Piano) - Scalrlatti: Two Sonatas in b minor; Mozart Sonata in D Major; Voigt: Sonata no. 1 (World Premier); Chopin: Scherzo no.3; Liszt: Valléée d’Obermann.


Fri 22 Aug
Leith Hall
Early evening 6.30pm – ticketed
Joseph .Long (Piano) - Mozart: Variations,‘Ah! Vous dirait je Maman’; Beethoven ‘Pastorale’Sonata, Op.28; Debussy: Children’s Corner Suite.


Sun 14 Sep
Castle Fraser
Afternoon Promenade 3pm – Price included in admission
Roger B. Willliams (Piano) to include music from the Castle Fraser collection by Haydn, J.C.Bach and Beethoven.

Sun 21 Sept


Fyvie Castle
Afternoon Promenade
3pm – free
Derek Buchan (Piano) - Bach: Jesu Joy; Mozart: Sonata in B flat; Chopin: Schumann: Papillons; and Debussy: Reflets dans l’eau.

Thurs 25 Sept


Drum Castle
Evening Concert
6.30pm – ticketed
Margaret Preston (Flute): Alina Bezinska(Harp) with music by Oswald, Liebermann, Piazolla and Lutoslawski.


Sun 12 Oct
Fyvie Castle
Afternoon Promenade
3pm – free
Amanda and Claire Babington, (Baroque Violin and Cello), Roger B.Williams, (Harpsichord)
Music from the 18th. century volume from Fyvie Castle music collection Medulla Musicae.with. music by Corelli, Handel and others.

Tuesday, 21 January 2014

Huntly

ist eine Kleinstadt und liegt an der A96, ziemlich genau zwischen Aberdeen und Inverness. Von Aberdeen her kommend sind die ersten Zeichen von Huntly eher unscheinbar, ein Schild, dass zum Bahnhof und Battlehill verweist und eine metallene Eisenbahnbrücke, die mit Warnhinweisen für LKW Fahrer versehen ist, die auf die geringe Höhe der Brücke hinweisen. Sobald man unter der Brücke durch kommt, sieht man dann nur noch einen großen Verkehrskreisel und den Supermarkt ASDA. 

Der Eindruck täuscht und wird Huntly in keinster Weise gerecht. Das einzige was auf die Einzigartikeit von Huntly verweist, ist das Ortsschild auf dem unter dem Namen "Room to Roam" (Platz zum Herumschweifen) steht. Huntly macht dem Motto alle Ehre und es wird viele Blogeinträge brauchen, um auch nur ansatzweise die Vielfältigkeit dieser Kleinstadt zu beschreiben.


Kamin
Huntly ist ein von der Landwirtschaft geprägter Ort, mit einer faszinierenden Geschichte. Der Ort ist der Wohnsitz der einst mächtigen Gordons, deren Macht, Reichtum und Einfluß das Stadtbild deutlich geprägt hat. Die prächtigen Ruinen von Huntly Castle zeugen noch heute davon. Der Besucher kann sich über drei begehbare Stockwerke ein Bild von der beeindruckenden Architektur machen, welche den Reichtum der Gordens wiedergibt, der einstmals dem des schottischen Hofes gleichkam und dem Cock o'North (wie der damalige Earl genannt wurde) das Leben kostete, weil Queen Mary seine Macht fürchtete und ihm die Flügel stutzte. Nachdem die Burg im Laufe der Geschichte arg in Mitleidenschaft gezogen wurde und Festungen eher edlen Schlößern wichen, bauten die Gordons ganz einfach ein Schloß nicht weit entfernt von der alten Burg. Heute dient dieses Schloß als Hotel.


Die architektonische Bauleidenschaft der Gordons blieb nicht nur auf die Burg beschränkt. Sie, als auch einige Wohltäter spendeten der Stadt Gebäude zum Wohle aller. Auf dem Weg zur Burg fährt der Besucher unter dem Torbogen des Simpson Buildings durch, welches zu den Gordon Schools gehört, die einstmals von der Herzogin von Gordon begründet wurden.


Brander Building
Die Brander Bibliothek liegt direkt im Zentrum, am Marktplatz und ist wohl eines der schönsten. Heutzutage beherbergt das Gebaüde neben der Biblothek auch noch den Huntly Development Trust und Deveron Arts.

Der Marktplatz (The Square) ist auch heute noch ein Treffpunkt für die Leute von Huntly. Besonders an Markttagen, die immer an jedem ersten Samstag im Monat statt finden, werden Nachrichten ausgetauscht und anstehende Angelegenheiten erledigt. Die Erfahrung hat gelehrt, dass dies in Huntly die beste Kommunikationsmethode ist, noch vor Telefon, Email und Handy.


Stewart's Hall mit Glockenturm
Unweit des Marktplatzes, in der Gordon Street, befindet sich die Stewart's Hall, ein weiters Gebäude, dass der Stadt von einem Herrn Stewart gespendet wurde. Die Halle ist sowas wie die gute Stube von Huntly. Theater, Musicals und Ceilidhs finden hier statt, sowie Coffee Mornings an jedem Samstag. Coffee Mornings sind gemeinützige Veranstaltungen, mit denen Geld für verschiedene gute Zwecke verdient wird. Man bezahlt Eintritt und in dem Eintritt sind eine Tasse Tee oder Kaffee, sowie ein Buttery enthalten. Butterys sind eine schottische Spezialität aus dem Nordosten. Ein gehaltvolles Gebäck, dass wegen der guten Haltbarkeit bevorzugt von den Fischer mit auf See genommen wurde. Sie werden getostet und mit Butter und Marmelade gegessen.

Viele Orte haben Coffee Mornings aber keiner mit solcher regelmäßigkeit wie Huntly. Sie beginnen gewöhnlich um 10 Uhr und enden um 12 Uhr. Begleitet werden diese Ereignisse von Verlosungen und sie bieten eine wunderbare Gelegenheit, die Einheimischen zu beobachten.

Eine weitere Gelegenheit, sich unters Volk zu mischen, bieten musikalische Veranstaltungen, die Ceilidhs. Örtliche Musikgruppen spielen im Sommer an jedem Mittwoch in der Stewart's Hall zum Tanze auf. Die genauen Zeiten kann man im Huntly Events Kalender erfahren.