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Thursday, 1 January 2015

Winterimpressionen

In den Cairngorms liegt im Winter gewöhnlich immer Schnee. Aber sobald man in die Region an der Küste kommt, die meist nicht mehr als 300m über den Meeresspiegel hinauskommt, ist Schnee eher selten, selbst, wenn es kalt wird. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt jedoch für einen Winterzauber der etwas anderen Art, wenn Polarluft für mehrere Tage die Temperaturen bestimmt.



Dicker Rauhreif lagert sich überall da ab, wo der Untergrund kalt genug ist und verzaubert die Landschaft.




Das ansonsten durch den Golfstrom bedingte, milde Klima erlaubt im Winter eine eigentümliche Mischung aus grünem Gras mit der, von der Polarluft gefrohrenen, Feuchtigkeit.



Auf Strassen an geschützten Stellen kann sich der Rauhreif schon mal so dick ansammeln, dass er sich von Schneematsch nicht mehr unterscheiden lässt.

Monday, 8 September 2014

Grünzeug, Vegetation und Gärten

Gärtnern wird in Schottland groß geschrieben. Dabei gibt es Herausforderungen aber auch Vorteile, die es in Deutschland so nicht gibt. Manche Pflanzen lieben ganz einfach das hiesige Klima und die schottischen Wachstumsbedingungen. So zum Beispiel wächst Rhododendron hier ausgezeichnet, ganz ähnlich wie die Goarse und oft wächst er viel zu üppig.

Rhododendron
Rhododendron

Nicht selten verwildern die Rhododendren und verdrängen dann einheimische Pflanzen im Unterholz der Wälder.

  
Nichtsdestoweniger beeindrucken sie mit ihrer Größe und Schönheit.



Was hier wächst und wie groß es wird, hängt nicht nur sehr vom Wetter ab, sondern auch von den Fähigkeiten der Gärtner(innen). Die Damen von Glenview Farm z.B. wickeln ihre Pflanzen abends oft einzeln ein und morgens wieder aus, wenn im Frühjahr später Nachtfrost droht. Die Arbeit lohnt sich, das Gemüse, dass man bei ihnen kaufen kann, schmeckt nicht nur viel besser als das vom Supermarkt, es wird auch oft recht groß, wie dieser Blumenkohl bezeugt:


Auch die industriellen Landwirte hängen vom Wetter ab. Ein kalter, nasser Sommer lässt das Getreide nicht reifen und nicht selten sieht man im Oktober noch grünliche Felder und die Ernte beginnt sehr selten bevor September. 

Ein früh gereiftes Feld in einem warmen Sommer
Es dauert gewöhnlich bis in den frühen Winter bevor Nachtfröste das Wachstum der Pflanzen vollständig zum Stillstand bringen. Die Himbeeren im folgenden Bild sind im Oktober aufgenommen, zu einer Zeit wo die Tage selbst bei Sonnenschein schon so dunkel sind, dass die Kamera Blitzlicht benötigt:

Himbeeren im Oktober

Diese Verfügbarkeit von essbarer Vegetation hat Deveron Arts in Huntly zur Anlage eines essbaren Wanderweges inspiriert: A Bite On The Site gibt Wanderfreunden einen Hinweis darauf, wo in Huntly sie beim Spaziergang etwas zu essen pflücken können. 

Der Golfstrom, der den Frost verhindert, sorgt auch dafür, das die Tagestemperaturen sich kaum von den Nachttemperaturen unterscheiden. Es sind aber gerade die Unterschiede zwischen sehr kalten Nächten und noch relativ warmen Tagen, die den Bäumen im Herbst den bevorstehenden Winter verkünden. Ohne diese Temperaturunterschiede verfärben sich die Blätter der Bäume im Herbst kaum und nur sehr selten sieht man gelbe Bäume und fast nie rote. Die vorherrschende Blattfarbe im Herbst ist ein bräunliches olivgrün. 

Für Gartenliebhaber bietet Aberdeenshire und Umgebung eine große Auswahl an traditionellen aber auch an modernen, an ökologischen Bedürfnissen ausgerichteten Gärten. Viele Castles haben traditionelle "Walled Gardens", und unter den walled gardens ist der elisabethanische Garten Pitmedden Garden eine besonders seltene, historische Perle.

Als Beispiele ökologisch ausgerichteter Gärten wäre der Forres Community Garden zu nennen, das Pitcaple Environmental Project und der Boyndie Trust.

Und zu guter Letzt sollte noch Scotland's Open Garden Day erwähnt werden, an dem nicht nur öffentliche Gärten, sondern auch private ihre Gartentore für Besucher öffnen. Der Eintritt geht an diesen Tagen an eine karitative Einrichtung.  

Sunday, 27 April 2014

Der Frühling

kommt in Schottland ungefähr 50 Tage später an als in London. Wissenschaftler bestimmen das anhand der Blütezeit der Narzissen. Vielleicht sind Narzissen auch deswegen so beliebt bei den Schotten und wenn sie in Blüte stehen, sieht man sie überall. 

Wie in anderen Teilen Europas kann auch in Schottland das Frühlingswetter unberechenbar sein, von tief verschneiten Landschaften (was gewöhnlich aber nicht lange anhält) zu Sonnentagen, die bis zu 25°C warm werden können (was auch nie lange anhält).

Gewöhnlich jedoch sind im Nordosten der März und April von kaltem Wetter unter 10°C geprägt, mit seinen charakteristischen Graupelschauern und heftigen Winden, die sich mit Sonnenschein abwechseln. Der Mai zeigt sich meistens dann milder mit Temperaturen zwischen 12°C und 16°C.

Außer den Narzissen gibt es noch andere Boten des Frühlings. Graugänse (greylag geese) kommen in den Nordosten zum Überwintern. Gegen Ende des Winters, wenn das Gras wieder zu wachsen beginnt, versammeln sie sich zu größeren Gruppen. Die charakteristischen Keilformationen der Gänse können oft beobachtet werden, wenn sie nach Plätzen zum Schlafen und Fressen Ausschau halten. Meistens hört man sie, bevor man sie sieht. Sind sie einmal am Boden, sind sie schwere auszumachen.


Wo sind die Graugänse?
Gegen Ende des Frühlings fliegen sie dann zu ihren Nistplätzen und kehren erst im Herbst zurück.

Ein weiterer Frühlingsbote ist der Stechginster (gorse), der unglaublich hartnäckig ist, und das in jeder Beziehung. Er gedeiht, wo andere Pflanzen Schwierigkeiten hätten, zu überleben. 


Harsches Wetter macht ihm gar nichts aus und so zeigt er bei den ersten, wärmeren Sonnenstrahlen auch schon ein paar Blüten. So richtig voll erblühen tut er Mitte bis Ende April. Dann ist die Luft erfüllt von einem charakteristischen, süßen Duft mit einem Hauch von Kokosnuss.

Stechginster


Um die selbe Zeit ist auch das Lammen voll im Gange. Für diejenigen, die von der Schafzucht leben, ist das eine sehr anstrengende Zeit. Die meisten Schafe, besonders solche, die schon mal gelammt haben, kommen ohne Hilfe zurecht. Aber dann sind da immer noch genug, die Hilfe brauchen. Was am meisten Probleme bereitet, ist das Wetter. Schafe kommen prima mit kaltem Wetter klar, aber nasses Wetter ist schlimm. Lämmer können sehr schnell Lungenentzündung bekommen und sterben meistens daran.


Lämmer genießen einen warmen Frühlingstag

Eine weiterer Indikator für den Frühling sind die einheimischen Osterferienurlauber. Sie sind durch ihre sommerliche Kleidung weithin kenntlich. Entscheidend für die Wahl der Bekleidung sind hier Sonnenschein und Ferien, nicht die Temperatur. 12°C ist warm genug für T-Shirts, kurze Hosen, Sandalen und Eiskrem. Man ist schließlich nicht zum Vergnügen im Urlaub.


Thursday, 6 February 2014

Winter

ist normalerweise nicht unbedingt die Hauptreisezeit, um Schottland zu besuchen. Obwohl in den Cairngorms in den Grampian Highlands liegt gewöhnlich Schnee im Winter.

Kinnairdy Castle


In den tieferen Lagen sieht das ganz anders aus. Von gar keinem Schnee bis zu ein bis zwei Wochen eingeschneit geht alles. Meistens kommt der Schnee, wenn man ihn am wenigsten braucht. Aber dann verzaubert er des Winters Dunkelheit.



Natürlich versuchen Schneepflüge die Straßen so schnell wie möglich zu räumen, aber oft geschieht das nur mit mäßigem Erfolg, weil starke Winde für unglaubliche Schneeverwehungen sorgen können.




Mit soviel Schnee, da stellt sich dann die Frage, wohin damit. Ganz einfach, der abtransportierte Schnee wird ins Meer gekippt. Und auch wenn es auf Meereshöhe kaum Schnee gibt, wenn er denn kommt, kann man sich seinem Zauber nur schwer entziehen.


Portsoy Harbour
So ist es dann auch auch nicht verwunderlich, dass die Schotten dem Sport in der weißen Pracht frönen. In Huntly befindet sich das Nordic Skiing Centre, die in 2014 vier Athleten (Andrew Musgrave, Andrew Young, Callum Smith and Posy Musgrave) nach Sochi zu den olympischen Winterspielen schicken.

Auch im Sommer ist das Nordic Skiing Centre einen Besuch wert, nicht nur liegt es malerisch an den Ufern des Deveron gelegen, man kann da auch Fahrräder ausleihen.

Tuesday, 4 February 2014

Das Wetter

Die Kurzfassung ist die, immer was Anziehen zum Ausziehen, weil sich das Wetter oftmals während des Tages ändert.

Die etwas langatmigere Erklärung geht so:

Generell hat der Nordosten Schottlands das schönste und trockenste Wetter in Schottland. 

Die Großwetterlagen werden vom Jetstream bestimmt, der das Wetter der britischen Inseln beeinflußt. Nördlich des Jetstreams bringt kalte Polarluft Regen zu den Inseln und südlich davon wird Warmluft vom Atlantik herangezogen. 

Der Golfstrom sorgt dafür, dass es im Winter nicht zu kalt wird. In der Regel sind die Winter in Schottland wärmer als in Deutschland.

Unglücklicherweise wird der Jetstream vom Abschmelzen der Polarkappen beeinflusst, was in den vergangenen Jahren für extreme Wetterlagen gesorgt hat.


Normalerweise sieht der Verlauf des Jetstreams im Sommer so aus:



Im Sommer 2012 verlief der Jetstream sehr viel südlicher:



Als Konsequenz hatte Schottland einen extrem nassen Sommer mit entsprechen hohen Ernteeinbußen. 2013 sah es dann ganz anders aus, ungewöhnlich warm und angenehm trocken.

Weil alle Wettergebiete mehr oder weniger vom Westen hereinkommen, treffen sie meist früher oder später auf die Grampien Higlands, die mit bis zu 1300m Höhe eine Schlachtwetterbarriere für tief hängende Wolken bilden. Mit weniger Feuchtigkeit gibt es auch kaum Midges (winzige Mücken), die einem im Westen Schottlands das Leben wirklich schwer machen können.

Die Nähe zum Meer bewirkt, dass die Baumgrenze in Schottland bei 500m liegt, so dass die Vegetation oft einen Alpinen Eindruck erweckt, wenn man mal von dem Strandginster (Goarse) absieht, den es in niedrigeren Höhenlagen im Überfluss gibt und der im Frühjahr der Luft einen angenehm, süßlichen Duft, ähnlich dem von Kokosnuss gibt.

Blauer Himmel und Regenwolken in friedlicher Eintracht


Auch bewirkt die Nähe zum Meer, das es selten geschlossene Wolkendecken gibt. Tatsächlich kann es passieren, dass man im strahlendem Sonnenschein im strömenden Regen steht. So sind denn auch Regenbogen absolut keine Seltenheit.


Der oben abgebildete Regenbogen vermittelt nur einen schwachen Eindruck von der Vielfalt und den Farben der sonst so verfügbaren Regenbögen.




Vielleicht noch eine Anmerkung zu der Qualität des schottischen Regens. Sehr häufig kommt dieser horizontal, was Regenschirme nicht sehr effektiv macht. Und hin und wieder ist schottischer Regen sehr weich und fein, was ihn kaum wahrnehmbar macht, so das er auch nicht weiter stört. Sollte es wirklich mal richtig grau und ungemütlich sein, dann wird dies meist im Gespräch mit dem nächsten Schotten deutlich, der jede Unterhaltung wahrscheinlich mit: "What a dreich day!" beginnen wird.